"Wege enstehen dadurch, dass man sie geht"  Franz-Kafka

   

Atlin – eine bedeutende Stadt zu Zeiten des Klondike Goldrauschs. Damals lebten hier tausende Menschen, alle auf der Suche nach dem Glück in Form von goldenen Nuggets. Gegründet vom deutschstämmigen Fritz Miller wurde Atlin Anfang des 19.Jahrhunderts zu einem der Zentren des Goldschürfens, die Überbleibsel dieser Zeit sind noch heute an den vielen umgeackerten Landstrichen erkennbar.

Am nördlichsten Zipfel von British Columbia, und nur vom Yukon Territory aus erreichbar, liegt Atlin ziemlich abgeschottet vom Rest der Welt. Die einzige Verbindung zur Außenwelt bildet die Atlin Road, eine 100km lange und abenteuerliche Straße, die beim “Jake’s Corner” vom Alaska Highway Richtung Süden abzweigt.

Heute ist Atlin mit seinen knapp 500 Einwohnern ein beschaulicher und ruhiger Ort, eine Idylle, wie man sie sonst kaum noch findet. Freilaufende Pferde und Hunde, traditionelle Blockhütten und alte Häuschen mit schon historisch wirkenden Informationstafeln, die schneebedeckten Gipfel der Coast Mountains und die endlos wirkende Wasserfläche des Atlin Lake - das alles vermittelt einem das Gefühl, dass die Uhren hier ein bisschen anders ticken.

Der kleine Ort besteht zu einem beachtlichen Teil aus dem Hafen mit seinen vielen kleinen Booten und auch einigen Wasserflugzeugen - das verwundert aber nicht, wenn man einen ersten Blick auf den blau schimmernden Atlin Lake wirft. Er ist mit einer Länge von 145km der größte natürliche See in British Columbia und zugleich auch Namensgeber der Ortschaft: „Áa Tlein“ bedeutet in der Sprache der Tlingits, einem dort ansässigen Indianervolk, soviel wie “großes Wasser”.

Fast die Hälfte des Sees ist Teil des “Atlin Provincial Park”, ein Gebiet ähnlich wie ein Nationalpark, in dem die Jagd - abgesehen von reglementierter Fischerei - verboten ist. Durch diesen Schutz können die hier ansässigen Tierarten wie Elche, Schwarz- und Grizzlybären, Weißkopfseeadler, Wölfe, Caribous und viele andere ungestört leben und mit ein bisschen Glück in ihrem natürlichen Lebensraum beobachtet werden.

Ebenso im Atlin Provincial Park liegend mündet der Llewellyn Glacier, ein beträchtlicher Teil des Juneau Icefields, am südwestlichen Ende in den Atlin Lake. Das Gletscherschmelzwasser, das im sogenannten Llewellyn-Inlet in milchigem Hellblau in den See fließt, mischt sich nur langsam mit dem restlichen Seewasser, wodurch sich in diesem Bereich ein schon fast unecht wirkendes Farbspiel ergibt. Diese Abfolge der Naturgewalten - vom dunkelblauen Eis, über das milchige Gletscherwasser bis hin zum glasklaren See - gilt als der Ursprung des Yukon-Rivers.Bei gutem Wetter und der richtigen Aussichtsposition, kann man sogar von Atlin aus einen Blick auf den Gletscher erhaschen.